Auch der Sport gehört zum Dorf

10.12.2025 von Alix Puhl

Als wir tomoni gegründet haben, stand von Anfang an der Gedanke „Es braucht das ganze Dorf" im Mittelpunkt. Denn aus eigener Erfahrung, die für die Erfahrung vieler steht, weiß ich: Psychische Erkrankungen gehen uns alle an: Familie, Schule, Freund*innen und eben auch den Sport. Wir alle können präventiv, in der Früherkennung und im Umgang mit psychisch Erkrankten eine Rolle spielen.

 

Warum gerade der Sport?

Sport ist ein besonderer Raum im Leben junger Menschen. Für viele Kinder und Jugendliche ist er ein fester Bestandteil ihres Alltags. Sie sind hier freiwillig und tun das, was ihnen liegt. Hier entstehen Vertrauen und Nähe. Hier können sie sich und anderen zeigen, was in ihnen steckt, können Aggressionen und Wut abbauen, sie selbst sein. Gleichzeitig ist Sport aber auch ein Umfeld, in dem Belastungen entstehen können: Leistungsdruck, ein Selbstwert, der sich über Ergebnisse definiert, oder die Angst zu versagen.

Über Jahre werden junge Menschen, oft von denselben Trainer*innen, begleitet – im Erfolg und in der Niederlage, in der Freude und in der Verzweiflung. Als ich selbst für eine Zeit einen Sportverein geleitet habe, konnte ich immer wieder erleben, wie wichtig diese Beziehungen sind und wie viel Herz und Engagement Trainer*innen in ihre Arbeit investieren. Sie sind Vertrauenspersonen; sie gehören zu den Erwachsenen, die besonders nah dran sind und wahrnehmen können, wie es „ihren" Sportler*innen wirklich geht. Sie sehen, wenn etwas nicht stimmt. Doch genau hier beginnt oft die Unsicherheit.

 

Das Problem: Veränderungen sehen, aber nicht wissen, wie reagieren

Sie bemerken Veränderungen bei den Sportler*innen, sind aber unsicher, ob und wie sie reagieren sollen. Soll man die jungen Menschen direkt ansprechen oder zuerst die Eltern? Kann man sich täuschen? Wie gelingt ein Gespräch, ohne Druck zu machen? Was, wenn die Person abweisend reagiert?

Als Eintracht Frankfurt auf uns zukam, um zu fragen, ob wir gemeinsam etwas gegen diese Unsicherheit und für die Früherkennung von Anzeichen psychischer Erkrankungen tun wollten, war das wie Weihnachten, Geburtstag und Ostern zusammen. Als erstes haben wir eine Befragung mit 90 Trainer*innen des Vereins durchführen können, um zu erfahren, ob sie den gleichen Bedarf an Fortbildungen sehen wie wir. Mehr als die Hälfte hatte bereits Erfahrungen mit psychischen Belastungen ihrer Kinder und Jugendlichen gemacht. Viele erzählten von ihrer Unsicherheit im Umgang damit. Der Wunsch nach Fortbildung war groß, nach konkretem Wissen und Werkzeug, das sie für ihren Trainingsalltag brauchen.

Das haben wir uns zu Herzen genommen und ein Jahr lang zusammen mit Eintracht Frankfurt an tomoni.sports gearbeitet – Trainer*innen aus dem Leistungs- und Breitensport, Sportpsycholog*innen des Nachwuchsleistungszentrums von Eintracht Frankfurt, wissenschaftliche und pädagogische Expert*innen, Sportler*innen sowie junge Betroffene haben uns unterstützt und ihre Perspektive beigetragen. Aus dieser intensiven Zusammenarbeit entstand ein Angebot, das direkt aus der Praxis für die Praxis entwickelt wurde.

 

tomoni.sports – Wissen für den Trainingsalltag

Gemeinsam mit Eintracht Frankfurt haben wir ein Angebot entwickelt, das praktisch und direkt im Alltag von Trainer*innen nutzbar ist – egal ob in Voll- oder Teilzeit, haupt- oder nebenamtlich, für Team- oder Einzelsportart.

In bis zu drei live-online Modulen vermitteln wir deutschlandweit Wissen und konkrete Gesprächsstrategien. Trainer*innen lernen, Warnsignale zu erkennen, Kinder und Jugendliche anzusprechen und mit Eltern ins Gespräch zu kommen. Sie erfahren, was ihre Rolle ist, wo diese Grenzen hat und wann es sinnvoll ist, weitere Hilfe zu suchen und wo es diese Hilfe gibt.

Wie bei allen tomoni-Fortbildungen geht es nicht darum, Menschen zu Diagnostiker*innen oder Therapeut*innen auszubilden. Vielmehr geben wir Teilnehmer*innen die Mittel an die Hand, betroffenen Kindern und Jugendlichen den Weg ins Hilfesystem zu zeigen.

 

Von Eintracht Frankfurt für alle Vereine

Was als gemeinsames Pilotprojekt begann, steht, wie von Anfang an geplant, Sportvereinen deutschlandweit zur Verfügung – vom kleinen Dorfverein bis zum Bundesligaclub. Denn mentale Gesundheit im Sport geht uns alle an, unabhängig von Größe, Liga oder Sportart.

 

Teil des Dorfes werden

Unser Ziel ist es, dass sich auch im Sport niemand mehr hilflos fühlt, wenn er oder sie spürt, dass ein Kind leidet. Wir laden Trainer*innen ein, Teil des Dorfes zu werden, das Kinder und Jugendliche trägt. Denn am Ende geht es nicht nur um Leistung, sondern darum, jungen Menschen zu zeigen: Du bist wertvoll, unabhängig von Ergebnissen. Und wenn es dir nicht gut geht, bist du nicht allein.

Hier tomoni.sports entdecken.