Psychische Gesundheit in der Schule – Warum das ganze Dorf gefragt ist
Früh erkennen, ansprechen, unterstützen – das Praxisbuch „Es braucht das ganze Dorf” für mehr Handlungssicherheit im Umgang mit psychisch belasteten Schüler*innen
„Mir ist aufgefallen, dass Chris seit Wochen verändert wirkt: zurückgezogen, erschöpft, häufig abwesend. Doch wie spreche ich das an? Was, wenn meine Beobachtung nicht stimmt?”
Solche Momente kennen die meisten an Schulen Tätige. Sie sind gut darin, Veränderungen zu bemerken, Unsicherheit oder Ängste und Sorgen von Schüler*innen zu spüren. Und wissen dann oft nicht, wie sie reagieren sollen. Wie sie helfen können. Genau für diese Situationen ist das Buch entstanden: „Es braucht das ganze Dorf", eine Fortsetzung der Kooperation zwischen RAABE und tomoni mental health.
Die Ausgangslage: Zu viele betroffene Schüler*innen, zu wenig Unterstützung
Die Zahlen sind eindeutig: Knapp die Hälfte aller psychischen Erkrankungen beginnt vor dem 15. Lebensjahr, also während der Schulzeit. Jede vierte junge Person unter 18 Jahren zeigt psychische Auffälligkeiten. Rund zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland gelten als psychisch auffällig oder behandlungsbedürftig.
Gleichzeitig fühlen sich zwei Drittel der Lehrkräfte nicht ausreichend qualifiziert im Umgang mit psychischen Erkrankungen von Schüler*innen. Die Folge: Viele trauen sich nicht, betroffene Kinder und Jugendliche anzusprechen, weil sie unsicher sind, wie sie damit umgehen sollen. MIt negativen Folgen für die eigene Psyche und Selbstwahrnehmung. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von tomoni mental health aus dem Jahr 2022.
Dabei sind gerade Lehrkräfte und alle weiteren an Schulen Tätige (z. B. Studierende, Lehrer*innen im Vorbereitungsdienst (LiV), Schulleitungen, Schulsozialarbeiter*innen, Teilhabe-Assistent*innen, Schulpsycholog*innen und Mitarbeitende in Schulsekretariaten) in einer besonderen Position: Sie sehen junge Menschen täglich, begleiten Entwicklungen über längere Zeiträume und haben Vergleichswerte. Sie können Veränderungen frühzeitig wahrnehmen, wenn sie wissen, worauf sie achten müssen. Sie können den vielleicht entscheidenden Unterschied im Leben eines jungen Menschen machen.
Die Expertise: tomoni mental health
tomoni mental health entstand 2022 aus einer persönlichen Erfahrung der Gründer*innen Alix und Oliver Puhl: Ihr Sohn Emil nahm sich 2020 infolge einer zu spät erkannten psychischen Erkrankung mit 16 Jahren das Leben.
Aus dem Wunsch heraus, anderen zu helfen, gründeten sie ein gemeinnütziges Sozialunternehmen, das sich auf die Früherkennung von Anzeichen psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert hat. Die Frage, die sie seither antreibt: Was hätte ihm geholfen? Was hätte uns, was seinem Umfeld geholfen, die Anzeichen früher zu erkennen?
tomoni bietet wissenschaftlich fundierte Live-Online-Fortbildungen für alle an Schulen Tätige: tomoni.starts für Grundschulen und tomoni.schools für weiterführende Schulen. Das Angebot richtet sich bewusst an das gesamte Schulpersonal, vom Sekretariat bis zum Rektorat. Bis Oktober 2025 fanden bereits über 1.300 Fortbildungen mit mehr als 12.000 Teilnahmen statt.
In den Rückmeldungen zeigte sich immer wieder der Wunsch: „Gebt uns ein ergänzendes Handbuch für den Alltag. Etwas Praktisches und Schnelles zum Nachschlagen, wenn man sich unsicher ist. Etwas, das jederzeit im Lehrerzimmer oder im Schreibtisch griffbereit ist."
Die Partnerschaft: RAABE und tomoni
Als sich das Medienunternehmen RAABE und tomoni im Sommer 2024 kennenlernten, war die Idee geboren: eine strategische Partnerschaft für die Früherkennung psychischer Erkrankungen. Die Verbindung von Bildung und mentaler Gesundheit von Schüler*innen. Es sollte das entstehen, was sich so viele an Schulen Tätige wünschten, das praxisnahe Handbuch für den Schulalltag, das Sicherheit im Umgang mit psychisch belasteten Schüler*innen gibt.
RAABE bringt jahrzehntelange Erfahrung in der Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien und Fachinformationen für Schulen mit. tomoni hat die Expertise zur psychischen Gesundheit junger Menschen und die Praxiserfahrung aus der Arbeit mit Tausenden Teilnehmenden aus Grund- und weiterführender Schule.
Das Ergebnis: Ein Buch aus der Praxis für die Praxis
„Es braucht das ganze Dorf" ist entstanden aus echten Situationen, echten Fragen und echten Unsicherheiten. Geschrieben wurde es von Alix Puhl gemeinsam mit Dr. Arne Bürger, Kinder- und Jugendpsychologe am Universitätsklinikum Würzburg.
Das Buch bietet:
- kompaktes und anwendungsorientiertes Wissen zu psychischen Erkrankungen im Schulalter, verständlich und handlungsorientiert
- Themen wie Depression, Angststörungen, ADHS, Autismus-Spektrum-Störung, Essstörungen, Suizidprävention, Mobbing und posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)
- konkrete Hinweise auf Warnsignale: Leistungsabfall, plötzlicher Rückzug, häufige Fehlzeiten, Konzentrationsprobleme oder körperliche Beschwerden ohne medizinischen Befund
- klare Dos & Don'ts, die Sicherheit im Umgang geben
- Leitfäden für Gespräche, Schritt für Schritt: Beobachtungen benennen, offene Fragen stellen, Unterstützung anbieten, Vertrauen aufbauen, Hilfe organisieren
- Hinweise zur eigenen Rolle, denn niemand muss alles allein stemmen
- Fallbeispiele, die zeigen, wie Unterstützung gelingen kann und welche Fehler dabei vermieden werden können
Das Buch ist ausdrücklich nicht:
- therorielastiger wissenschaftlicher Ratgeber
- Anleitung zur Diagnose oder gar zur Behandlung
Was das Buch für Schule besonders macht: Zwei Perspektiven
Das Besondere sind die Außen- und Innenansichten. Die Außenansicht beschreibt, was Erwachsene im Schulalltag beobachten können: Veränderungen oder auffälliges Verhalten. Die Innenansicht zeigt, wie sich Betroffene wirklich fühlen. Diese Stimmen stammen von den „game.changers", dem Jugendlichenbeirat von tomoni. Diese Perspektiven helfen allen an Schulen Tätigen, beobachtetes Verhalten besser einzuordnen und mit Verständnis und Empathie auf Augenhöhe reagieren zu können.
Jedes Kapitel steht für sich. Das Buch kann als Ganzes gelesen oder gezielt zum Nachschlagen genutzt werden, etwa wenn man sich konkrete Sorgen um eine Schülerin oder einen Schüler macht und nicht weiß, wie man Beobachtungen deuten oder ein Gespräch beginnen soll. Das Buch ist darüber hinaus der ideale Wegbegleiter für ehemalige Teilnehmende an den Fortbildungen von tomoni.
Was jetzt zählt
Psychische Gesundheit und Bildung gehören zusammen. Es braucht das ganze Dorf, um junge Menschen dabei zu unterstützen, ihr volles Potenzial zu entfalten. Deshalb:
- Bestellt das Buch für euch oder für euer Lehrerzimmer, eure Schulbibliothek oder euer Schulsozialarbeiterbüro.
- Macht es zugänglich und legt es dort aus, wo Menschen es in Momenten der Unsicherheit finden können.
- Nutzt die kostenfreien Live-Online-Fortbildungen tomoni.starts, tomoni.schools und tomoni.parents für mehr Sicherheit.
- Sprecht über das Thema, in Konferenzen, im Kollegium, mit Eltern und mit den Schüler*innen.
Das Buch ist ab sofort im Buchhandel oder bei RAABE im Online-Shop erhältlich.