Psychose durch Cannabis?

23.07.2025 von Hanna Volgmann

Gerade im Zuge der Legalisierung von Cannabis für Erwachsene in Deutschland stellt sich die Frage, wie es um Nebenwirkungen der Droge steht. In Debatten darum wurde immer wieder eine Verbindung zwischen Cannabis und Psychosen hergestellt. Doch inwiefern existiert dieser Zusammenhang?

Cannabiskonsum und -rausch

In Deutschland dürfen Erwachsene seit Juli 2024 kleine Mengen Cannabis straffrei besitzen und an bestimmten Orten konsumieren.1 Darin sind je nach Sorte unterschiedliche psychoaktive Stoffe zu finden. Wer „Gras“ raucht, inhaliert, oder in Backprodukten isst, erlebt deshalb ein je nach Cannabissorte und -menge unterschiedliches Rauschgefühl. Für diese Wirkung ist hauptsächlich der psychoaktive Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) verantwortlich, der seine Wirkung durch den Erhitzungsvorgang entfaltet.2 Neben THC ist in weiblichen Cannabispflanzen noch Cannabidiol enthalten, welches die Wirkweise von THC beeinflusst.3

Aber auch bei dem Konsum der gleichen Cannabissorte mit gleichem THC-Gehalt erleben Personen unterschiedliche Rauschzustände. Diese werden nämlich auch durch die körperliche und psychische Situation der Person sowie ihr Umfeld in der Konsumsituation beeinflusst.4

Mögliche (Neben-)Wirkungen von Cannabis

Ein Cannabisrausch kann unterschiedliche psychische und körperliche Reaktionen sowie Nebenwirkungen hervorrufen.5 Positive Wirkungen eines Cannabisrausches können sich unter anderem in folgenden Aspekten zeigen:

Wenn Schüler*innen psychische Probleme haben, können sie

  • Gefühl von Entspannung
  • intensivere Sinneswahrnehmung
  • leichteres, offeneres Kommunizieren
  • Glücksgefühle oder Euphorie

Gleichzeitig kann der Rausch auch unangenehme psychische Effekte hervorrufen, wie etwa:

  • innere Unruhe
  • Angstzustände oder Panikgefühle
  • Orientierungslosigkeit oder Verwirrung

Auf körperlicher Ebene sind bei Cannabiskonsum häufig folgende Symptome zu beobachten:

  • erweiterte Pupillen
  • gerötete Augen
  • Koordinationsprobleme
  • starkes Hungergefühl („Fressflash“)
  • Übelkeit
  • Reizhusten

Gleichzeitig kann der Rausch auch unangenehme psychische Effekte hervorrufen, wie etwa:

  • erhöhte Herzfrequenz
  • abfallender Blutdruck
  • Schwindel
  • Zittern

Grundsätzlich ist kein Cannabiskonsum ohne Risiko möglich.6

Auswirkungen von Cannabis auf die psychische Gesundheit

Viele Studien zeigen, dass häufiger und starker Cannabiskonsum (in der Jugend) mit einer Reihe negativer Folgen im späteren Leben verbunden ist. Es gibt Hinweise, dass genetische und umweltbedingte Faktoren, aber auch direkte Wirkungen des Cannabis-Konsums dabei eine Rolle spielen. So berichten Menschen, die später an einer Psychose erkrankten, häufiger von täglichem Konsum und psychotischen Erfahrungen in ihrer Jugend. Je früher und intensiver konsumiert wird, desto größer scheint auch das Risiko für psychische Probleme, schlechtere schulische Leistungen und Studienabbrüche.7

Zwar ist es sehr schwer, einen eindeutigen Beweis für eine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung zu erbringen, doch viele Langzeitstudien bringen den Konsum von Cannabis und ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung psychotischer Störungen in Verbindung, wobei die Dosis des Konsums eine Rolle spielt.8 So stellte in einem aktuellen Gerichtsverfahren vor dem Landgericht Darmstadt der vom Gericht beauftragte Psychiater in seinem Gutachten fest, dass die Psychose des Angeklagten durch exzessiven Cannabiskonsum verursacht wurde (hier nachlesen).

Studien zeigen, dass täglicher Cannabiskonsum, vor allem von hochpotentem Cannabis, das Risiko erhöht, früher an einer Psychose zu erkranken.9 Menschen, die später eine Psychose entwickeln, berichten auch häufiger, dass sie in ihrer Jugend Cannabis konsumiert haben (15,3  %) und psychotische Erfahrungen gemacht haben (51,4  %) – im Vergleich zu Menschen ohne psychische Erkrankung (4,6  % bzw. 28,6  %).10 Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Cannabis epigenetische Veränderungen im Körper auslöst, die langfristige Auswirkungen auf das Gehirn haben könnten.11

In der Allgemeinbevölkerung ist der Konsum auch mit einem erhöhten Risiko für weitere Substanzabhängigkeiten verbunden. So hatten in einer amerikanischen Studie Menschen, die Cannabis konsumiert haben, ein 6,2-mal höheres Risiko eine Substanzgebrauchsstörung zu entwickeln, verglichen mit Personen, die kein Cannabis konsumierten.12

Bei Menschen mit Schizophrenie kann Cannabis den Krankheitsverlauf verschlechtern – mit mehr Rückfällen und Klinikaufenthalten.13 Nur in seltensten Fällen zeigt sich bei Menschen mit Schizophrenie ein möglicher Schutz vor bestimmten körperlichen Begleiterkrankungen.14

Hilfe für Jugendliche im Umgang mit Cannabis

In der Schule sollte der Umgang mit Cannabis im Unterricht thematisiert werden. Dabei können Lehrkräfte beispielsweise auf Inhalte aus dem tomoni.schools Modul Sucht und dem Material des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit zurückgreifen. Dort gibt es auch Informationsmaterial für Erziehende und einen Flyer, mit dem Impulse für einen reflektierten Cannabiskonsum im legalen Rahmen gesetzt werden können.

So wird betont, dass es keinen risikofreien Konsum von Cannabis gibt. Wer dennoch konsumiert, sollte Risiken kennen, Abhängigkeit ernst nehmen und Rücksicht auf andere nehmen. Zudem ist zu beachten: später Einstieg (nicht vor Mitte 20), niedriger THC-Gehalt, Verzicht auf Rauchen (besonders mit Tabak), Pausen zwischen Konsumphasen, keine Kombination mit anderen Substanzen, kein Konsum bei Schwangerschaft oder psychischen Vorbelastungen und kein Fahren unter Einfluss.15

Kostenfreie Angebote für Jugendliche zum Thema Cannabis gibt es in Deutschland lokal, wie beispielsweise für Berlin und Westfalen-Lippe und digital (sowie überregional) zum Beispiel bei Quit the shit und Realize it,wo gesundheitsschädigende Konsummuster reflektiert und der Ausstieg aus dem Drogenkonsum begleitet werden können.

Informationen und Verhaltenstipps rund um das Thema Cannabis erhalten Jugendliche auch auf cannabispraevention.de. Wer anonym individuell beraten werden möchte, kann dies kostenfrei über den Chat von drugcom tun.

 

Literaturverzeichnis

1 Bundesregierung (2024): Cannabis-Legalisierung.
URL: https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/cannabis-legalisierung-2213640
[Zuletzt abgerufen am: 17.02.2025].

2 Cannabisprävention.de (o. J.): Allgemeine Informationen über Cannabis.
URL: https://www.cannabispraevention.de/lehrkraefte/fakten-ueber-cannabis/allgemeine-informationen/
[Zuletzt abgerufen am: 18.02.2025].

3 Stark statt breit NRW (2023): Die Cannabispflanze.
URL: https://www.starkstattbreit.nrw.de/Pflanze
[Zuletzt abgerufen am: 18.02.2025].

4 Stark statt breit NRW (o. J.): Wirkung von Cannabis.
URL: https://www.starkstattbreit.nrw.de/Wirkung
[Zuletzt abgerufen am: 18.02.2025].

5 Stark statt breit NRW (2023): Wirkung von Cannabis.
URL: https://www.starkstattbreit.nrw.de/Wirkung
[Zuletzt abgerufen am: 18.02.2025].

6 Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (2024): Cannabis – Care Instructions (PDF).
URL: https://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/Cannabis_%E2%80%93_Care_Instructions_BFREI.pdf
[Zuletzt abgerufen am: 26.05.2025].

7 Gage, S. H. et al. (2017): Genetic and Environmental Contributions to the Association Between Cannabis Use and Psychosis Liability. Schizophrenia Bulletin.
URL: https://academic.oup.com/schizophreniabulletin/article-abstract/doi/10.1093/schbul/sbw101/2503538/Genetic-and-Environmental-Contributions-to-the?redirectedFrom=fulltext
[Zuletzt abgerufen am: 02.06.2025].

8 Schizophrenia Bulletin (2019): Cannabis Use and Psychosis Risk – Supplement 2, S122.
URL: https://academic.oup.com/schizophreniabulletin/article/45/Supplement_2/S122/5434603?searchresult=1
[Zuletzt abgerufen am: 02.06.2025].

9 Schizophrenia Bulletin (2014): Cannabis and Psychosis – Vol. 40, Issue 6, S. 1509.
URL: https://academic.oup.com/schizophreniabulletin/article-abstract/40/6/1509/1852136?redirectedFrom=fulltext
[Zuletzt abgerufen am: 02.06.2025].

10 Schizophrenia Bulletin (2020): Cannabis Use and Psychosis – Supplement 1, S168.
URL: https://academic.oup.com/schizophreniabulletin/article/46/Supplement_1/S168/5839605?searchresult=1
[Zuletzt abgerufen am: 02.06.2025].

11 Schizophrenia Bulletin (2019): Cannabis Use and Psychosis Risk – Supplement 2, S122 (zweites Vorkommen).
URL: https://academic.oup.com/schizophreniabulletin/article/45/Supplement_2/S122/5434603?searchresult=1
[Zuletzt abgerufen am: 02.06.2025].

12 JAMA Psychiatry (2025): Association of Cannabis Use With Psychosis.
URL: https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/2491944
[Zuletzt abgerufen am: 02.06.2025].

13 Schizophrenia Bulletin (2020): Cannabis Use and Psychosis – Supplement 1, S264.
URL: https://academic.oup.com/schizophreniabulletin/article/46/Supplement_1/S264/5839324?searchresult=1
[Zuletzt abgerufen am: 02.06.2025].

14 Schizophrenia Bulletin (2018): Cannabis Use and Psychosis – Supplement 1, S365.
URL: https://academic.oup.com/schizophreniabulletin/article/44/suppl_1/S365/4958000?searchresult=1
[Zuletzt abgerufen am: 02.06.2025].

15 BioE.G. (o. J.): Care Instructions für einen bewussten Umgang mit Cannabis.
URL: https://shop.bioeg.de/care-instructions-fuer-einen-bewussten-umgang-mit-cannabis/
[Zuletzt abgerufen am: 03.06.2025].