So gelingt's: Wissenschaftlich fundierte Fortbildungen erkennen
Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu erkennen, ist unverändert eine zentrale Herausforderung für Grund- und weiterführende Schulen sowie andere Bildungseinrichtungen.
Das Bewusstsein, dass sich Schulen mit psychischen Erkrankungen und deren Verhinderung durch Prävention beschäftigen, ist in den letzten Jahren gestiegen. Gleichermaßen steigt auch die Anzahl der Anbieter*innen für Fortbildungen für an Schulen Tätige sowie für Schüler*innen.
Doch nicht jedes Fortbildungsangebot hält, was es verspricht. In diesem Beitrag erfährst du, woran du ein wissenschaftlich fundiertes Angebot erkennst – und warum das so wichtig ist.
Warum kommt es auf wissenschaftliche Evaluation an?
Der Schlüssel für ein evidenzbasiertes Fortbildungsangebot ist die wissenschaftliche Evaluation. Sie stellt sicher, dass das Angebot tatsächlich wirkt und du als Teilnehmer*in z. B. in der Früherkennung und im Umgang mit psychisch belasteten Schüler*innen kompetent unterstützt wirst. Was ist wichtig, um objektiv nachzuweisen, ob die vermittelten Inhalte und Methoden wirklich helfen bzw. wirksam sind? Hier geht es nicht nur um erworbenes Wissen, sondern auch darum, ob du das Erlernte nach einer Fortbildung im Alltag tatsächlich anwenden kannst.
Nur mit einem wissenschaftlich messbaren Effekt macht das Angebot einen Unterschied im Leben der Teilnehmenden und für die Kinder und Jugendlichen denen es zugute kommt. Die wissenschaftliche Prüfung einer Fortbildung trägt auch immer zur Qualitätssicherung bei, indem sie Stärken und Schwächen offenlegt und so eine kontinuierliche Verbesserung ermöglicht.
Ohne solche wissenschaftlichen Nachweise besteht die Gefahr, dass unwirksame oder sogar schädliche Empfehlungen für Präventionsangebote weitergegeben werden. Eine wissenschaftlich evaluierte Fortbildung schafft Vertrauen und sorgt dafür, dass begrenzte Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden – für ein nachhaltiges und effektives Vorgehen im Schulalltag.
Anzeichen für nicht-wissenschaftliche Angebote
Wenn du weißt, worauf du achten musst, kannst du nicht-wissenschaftlich fundierte Angebote leicht erkennen:
Fehlende Evaluation/wissenschaftliche Prüfung
- keine Studien zur Wirksamkeit
- keine Beschreibung des Studiendesigns
- keine externe wissenschaftliche Begleitung
Kein Bezug zu psychologischen oder medizinischen Standards bei der Entwicklung des Programms
- kein Verweis auf etablierte Konzepte (z. B. Mental Health Literacy, Stepped Care)
- keine Hinweise auf Good Clinical Practice (GCP)
Allgemeine Wirksamkeitsversprechen ohne Nachweise
- Formulierungen wie "hilft immer" oder "wirken garantiert"
- fehlende Quellenangaben oder übertriebene Erfolgszahlen ohne Belege
Woran du professionelle und wissenschaftlich fundierte Fortbildungen erkennst
Wenn die nachfolgenden Kriterien erfüllt sind, handelt es sich um ein wissenschaftlich fundiertes Angebot:
Strukturierte Entwicklung nach GCP-Phasenmodell
Das GCP-Modell beschreibt einen systematischen Entwicklungsprozess mit fünf Phasen und kommt aus der Medizin:
- Zielklärung und theoretische Fundierung (Phase 0)
- Entwicklung und erste Erprobung (Phase I)
- Optimierung der Wirkmechanismen (Phase II)
- Wirksamkeitsprüfung in RCTs (randomisiert kontrollierten Studien) (Phase III)
- Übertragung in die Praxis/flächendeckende Verbreitung (Phase IV)
Wissenschaftlich fundierte Zielparameter und standardisierte Messinstrumente
Eine wissenschaftliche Wirksamkeitsprüfung benennt einen passenden, wissenschaftlich validierten Zielparameter (z. B. Verminderung von Selbstverletzung) und nutzt standardisierte Messinstrumente (z. B. Fragebögen, die vorher wissenschaftlich geprüft wurden). Mit diesen vor Beginn einer Studie festgelegten Messinstrumenten wird festgestellt, ob das ursprüngliche Ziel auch erreicht wurde. Auch mögliche Nebenwirkungen und Risiken (wie z. B. eine erhöhte Suizidalität) sollten systematisch erfasst und klar benannt werden.
Partizipation und Alltagsbezug
Fortbildungen mit hoher Qualität sind gemeinsam mit der Zielgruppe entwickelt worden. Sie berücksichtigen konkrete Bedarfe, sind sprachlich wie inhaltlich anschlussfähig und leicht umsetzbar im Schulalltag. Ein gutes Angebot verfügt über ein Manual, Übungsmaterialien und ist auch ohne Spezialwissen nutzbar. Besonders wichtig: Die Inhalte sollten ohne Vorwissen verständlich sein – auch für schulische Fach- und Beratungskräfte ohne psychologischen Hintergrund.
Klare Krisenkonzepte
Professionelle Angebote enthalten Anleitungen für den Umgang mit schwierigen Gesprächsthemen, einen Krisenplan und benennen Ansprechpersonen sowie weiterführende Hilfe. Verantwortlichkeiten im Krisenfall müssen in der Schule klar geregelt und kommuniziert sein – mit Vertretung bei Ausfall.
Nachweisbare Wirkung und Kosten-Nutzen-Verhältnis
Ein wissenschaftlich fundiertes Angebot veröffentlicht transparent die durchgeführten Studien zur Wirksamkeit – idealerweise auch mit Langzeitbeobachtung (z. B. 6 bzw. 12 Monate nach Teilnahme) und im besten Falle mit einer Kosten-Nutzen-Abwägung (z. B. gesparte Behandlungskosten, Nutzen je investiertem Euro).
Flächendeckende Umsetzbarkeit/h3>
Ein gutes Angebot ist auch jenseits des Ursprungsorts einsetzbar. Es ist übertragbar auf unterschiedliche Schulformen und leicht zugänglich. Positiv ist, wenn eine digitale Durchführung möglich ist – etwa zur Entlastung ländlicher Regionen oder für niedrigschwellige Umsetzung im Schulalltag.
tomoni.schools als Beispiel für ein evidenzbasiertes Angebot
Das Fortbildungsangebot tomoni.schools für weiterführende Schulen basiert auf dem GCP-Phasenmodell, wurde gemeinsam mit betroffenen Jugendlichen und Lehrkräften entwickelt und wird seit Ende 2023 wissenschaftlich überprüft. Es stärkt die Handlungssicherheit im Umgang mit Anzeichen psychischer Erkrankungen. Die Evaluation misst die Wirkung aus Sicht der Lehrkräfte wie auch der Schüler*innen. Darüber hinaus erfüllt es bzw. stellt es sich derzeit den Kriterien der hier beschriebenen Qualitätscheckliste.
Weitere Informationen findest du bei tomoni.schools
Fazit und Empfehlung
Nicht alles, was sich "Fortbildung" nennt, ist auch wirklich wissenschaftlich hilfreich. Nur “gut gemeint” reicht nicht. Wenn du Verantwortung für junge Menschen trägst, solltest du auf evidenzbasierte, wissenschaftlich fundierte Angebote achten. Nutze Checklisten (wie zum Beispiel diese), Studien und objektive Kriterien, um die Qualität zu prüfen. So trägst du aktiv dazu bei, psychische Gesundheit nachhaltig zu fördern – und schützt dich selbst vor Enttäuschung.
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